Was ist Kanufahren?

Generell redet man von Kanufahren. Es gibt da aber verschiedene Disziplinen, respektive gibt es verschiedene Bootstypen, also verschiedene Kanus nämlich Kajaks und Kanadier. Wobei es je nach Sprachregion wieder anders ist, da ist ein Kanu eben ein Kanadier. Alles klar? Nein. Macht nichts. Ich versuch's mal zu beschreiben.

Kajak

In einem Kajak da sitzt man drin. Das heisst, der Popo ist auf einem Sitz platziert, deine Beine leicht angewinkelt vor dir und deine Füsse sind (solange du vorwärts paddelst) das Körperteil, welches voraus geht.
Um zu paddeln, verwendest du ein ein Paddel (wer hät's gedacht) mit zwei Paddelblättern. Somit setzt du dein Paddelblatt mal links, mal rechts vom Kajak ein und bewegst dich und dein Kajak.
Du schaust immer da hin, wo du hin paddeln willst. Das heisst, du schaust in die Fahrtrichtung. Sonst würde man das wahrscheinlich rudern nennen.

Kajak auf der Moesa

Kanadier

In Deutschland wird ein Kanadier meistens Kanu genannt. Aber Wikipedia ist auf meiner Seite. Und da ist Kanu der Oberbegriff und umfasst Kajak und Kanadier.

Im Kanadier sitzt dein Popo auch auf einem Sitz, aber der Sitz ist höher wie im Kajak, damit du deine Unterschenkel unter deine Oberschenkel bekommst. Sprich du kniest im Kanadier. Das heisst auch, dass deine Knie die Körperteile sind, die zu vorderst im Boot sind.
Um zu paddeln verwendest du auch ein Paddel, aber mit nur einem Paddelblatt.

Open Canoe

Häufig wird beim Kanadier auch der Begriff "Open Canoe" verwendet. Englisch, weil's von Nordamerika kommt und ganz ursprüglich von den Nordamerikanischen Ureinwohnern erfunden wurde.

Open Canoe heisst's, weil keine Spritzdecke die Luke verschliesst, also das Boot offen ist. Das macht Wildwasser paddeln noch mal etwas anspruchsvoller, weil ein voller Kanadier schwer zu navigieren ist.

Offener Kanadier auf dem Inn

Geschlossener Kanadier

Einen Kanadier kann man aber auch "geschlossen" paddeln. Das heisst, eine Spritzdecke dichtet die Luke ab. Das hat den Vorteil, dass der Kanadier nicht mit Wasser vollläuft und somit immer gleich gut navigierbar bleibt. Im Wettkampfsport ist der "geschlossene Kanadier" recht häufig vertreten, im Breitensport eher das "Open Canoe". Somit wirst du in der Kanuschule eher in ein "Open Canoe" gesteckt, ausser du fragst explizit danach.

In der Regel hat ein "geschlossener Kanadier" die Form eines Kajaks (eher ein breites Modell) und eine kleine Luke.
Aber man kann auch einen "offenen Kanadier" mit einer Plane zudecken, in der eine Luke eingelassen ist. Und somit paddelt man dann ein "Open Canoe" geschlossen.

Geschlossener Kanadier auf der Soca in Slovenien

Packraft

Packraft ist im Vergleich zu Kajak oder Kanadier eine neuere Erscheinung im Wildwasser Paddelsport. Die Idee dahinter ist, dass ich das Boot so klein zusammen packen kann, dass es in einem Rucksack platz hat. Somit super geeignet für den öffentlichen Verkehr und/oder eine kombinierte Treking / Paddeltour. Die leichtesten Packraft wiegen so 3 kg und die schwertsten so 10kg. Somit ist das schwerste Packraft immer noch halb so schwer wie ein Wildwasser Kajak.
Bei gewissen Packraft Modellen ist das ganze Boot Stauraum für Gepäck, da es einen wasserdichten Reissverschluss hat. Dann ist ein Packraft auch für mehrtägige Ausflüge geeignet.
Aber das Packraft macht auch einfach Spass, um damit Wildwasser zu befahren und darum gibt es Leute, die ganz einfach damit Wildwasser paddeln, egal ob es nun klein verpackt werden kann.

Varianten

Es gibt Packrafts die sind gewichtsoptimiert und wiegen etwa 4 bis 6 kg. Die sind meistens aus einem Nylon Material gefertigt. Gewicht und Packmass sind hier das Wichtigste.
Dann gibt es Packraft aus PVC die wiegen dann so 8 bis 10 kg. Dafür sind diese Modelle robuster und halten auch mal einem scharfen Stein stand. Bei diesen Modellen steht die Robustheit im Vordergrund, die oft auch anspruchsvollers Wildwasser ermöglicht.

Dann gibt es Packraft mit Spritzdecke und solche ohne Spritzdecke. Die Modelle mit Spritzdecke sind etwa ein Kilogramm schwerer, weil da mehr Material gebraucht wird, um das Packraft, bis auf eine kleine Luke, zu schliessen. Mit dem Vorteil, dass du dann trocken im Boot sitzt.
Wenn du auf eine Spritzdecke verzichtest ist das Packraft in der Regel selbstlenzend. Das heisst, Wasser was oben reinkommt, läuft unten automatisch wieder raus. Cool, oder. Obwohl das Boot leichter ist und du keine zusätzliche Spritzdecke brauchst, hat so ein Packraft auch Nachteile. Wenn dein Boot voll mit Wasser ist, dauert es einige Sekunden, bis das Wasser wieder rausgelaufen ist. Im schwierigerem Wildwasser ist dein Packraft somit nicht mehr gleich navigierbar, wenn du Wasser geladen hast.

Selbstlenzendes Packraft auf dem Vorderrhein

See, Fluss, Wildwasser

Paddeln kannst du überall, wo's Wasser hat. Auf dem Meer, dem See oder einem Fluss. Je nach Gewässer, wo du paddeln möchtest, bietet es sich an ein anderes Kajak oder einen anderen Kanadier zu verwenden. Auf dem Meer und dem See ein langes und schmales Kajak, da du schnell sein willst und dich nicht ständig im Kreis drehen willst. Auf dem Fluss eher ein kurzes und breites Kajak. Hier willst du Stabilität und Drehfreudigkeit.

Wildwasser Schwierigkeitsgrade

Damit du einen Anhaltspunkt hast, was dich auf dem Flussabschnitt erwartet, hat man irgendwann mal die Flussabschnitte in Schwierigkeitsgrade eingeteilt.
Die reichen von WW I - WW VI. Was so viel heisst wie: Wildwasser 1 bis Wildwasser 6. Wobei WW I am einfachsten und WW VI am schwierigsten ist.

Das Ganze ist natürlich unglaublich relativ und subjektiv aber trotzdem ist es hilfreich, wenn du dich mal kalibriert hast und weisst, dass WW II deine Schuhnummer ist die passt und WW III grad noch so geht.

Rivermap ist ein online Flussführer, wo dutzende Paddler mitgeholfen haben. Eine gute Quelle, um sich zu informieren.

Auf Wikipedia ist die Wildwasserschwierigkeitsskala in ihrer offiziellen Form bereits beschrieben ich versuche es drum mal mit Bildern.

WW IV im offenen Kanadier auf dem Taravo auf Korsika

WW I - leicht

Ich weiss, eigentlich heisst die offizielle Bezeichnung 'unschwierig', aber klingen tut das nicht schön.

Das Bild rechts ist auf der Scouler Strecke des Inn entstanden. Nach Rivermap ist das WW III - IV. Ja was nun? Wie kann das nun WW I sein?

Wenn ein Fluss vom 'normal' Wasserstand abweicht, kann ein Abschnitt leichter oder schwieriger werden. Oder ein Erdrutsch oder Hochwasser kann ein Flussbett für immer verändern und bis Online oder Print Medien geändert sind kann es länger dauern.
Als das Bild entstanden ist, hatte es wenig Wasser und auf einem Abschnitt WW III kann es auch mal leichtere Strecken geben.

Kajak auf WW I auf dem Inn

WW II - mässig schwierig

Das Bild rechts ist auf dem Vorderrhein zwischen Cumpadials und Trun entstanden.

Nun gibt es neben der Schwierigkeit natürlich auch noch andere Merkmale um einen Fluss zu beschreiben. Zum Beispiel wird häufig von 'Wuchtwasser', 'verblockt', 'Creeking' oder 'Drop and Pool' gesprochen.
Also beispielsweise hat ein Wuchtwasser Fluss einfach eine sehr grosse Wassermenge. Das muss nicht schwierig sein, aber wenn du dich eher auf kleinen, steilen, wenig Wasser führendnen Flüssen bewegst, wird das so ungewohnt für dich sein, dass du es als schwieriger empfindest.

Kajak und Open Canoe auf WW II auf dem Vorderrhein

WW III - schwierig

Das Bild rechts ist vom Vorderrhein zwischen Valendas und Versam. Die Stromschnelle nennt sich 'Schwarzes Loch' und gilt als klassisches Wildwasser III.

In einem Flussführer kann auch mal die Rede sein von 'kontinuierlichem WW III' das bedeutet, wir haben es nicht nur mit einer Stromschnelle WW III zu tun, und dann wird es wieder einfacher, sondern das hört über längere Zeit nicht auf WW III zu sein. Was die Sache praktisch gesehen schwieriger macht.

Der Vorderrhein zwischen Ilanz und Versam ist aber kein kontinuierliches WW III, sondern es hat eher einige WW III Rapids auf der Strecke.

Kajak auf WW III auf dem Vorderrhein

WW IV - sehr schwierig

Als WW IV gilt der Abschnitt 'Alpin Sprint' zwischen Otra und Mollia auf der Sesia (Bild rechts).

Zwischendurch findest du in einem Flussbeschrieb auch mal so was: WW IV (V). Das bedeutet dann so viel wie, der beschriebene Flussabschnitt ist WW IV aber es hat da eine Stelle drin, die ist WW V.

Kajak auf WW IV auf der Sesia

WW V - äusserst schwierig

Im Bild auf der rechten Seite sieht man die obere Rauma. Die Stromschnelle nennt sich 'Little Huka' benannt nach dem grossen Bruder aus Neuseeland. Die obere Rauma gilt als WW IV - V. Und Little Huka ist nicht die schwierigste Stelle auf diesem Abschnitt also vielleicht doch nur IV+?

Manchmal werden Abschnitte auch mit z.B. IV - V bezeichnet. Der Flussabschnitt ist nicht ganz so schwer wie WW V aber doch nicht so leicht wie WW IV. Also IV - V oder IV+. Oder es hat Vierer und Fünfer Rapids auf diesem Flussabschnitt.

Kajak auf WW V auf der Rauma in Norwegen

WW VI - Grenze der Befahrbarkeit

Im Bild rechts sieht man Fabian Tandler auf dem Saut du Doubs. Mit WW VI ist das so eine Sache. Das gibt's nur kurzzeitig. Denn wenn ein WW VI Abschnitt 20 Mal erfolgreich (ohne Verletzte) befahren wurde, dann ist es ja nicht mehr an der 'Grenze der Befahrbarkeit'.

Als WW VI könnte man auch den Rheinfall bei Schaffhausen bezeichnen. Wobei Wasserfälle wieder eine Sache für sich selber sind. Aber beim Rheinfall gibt es auch eine Linie rechts am Hauptfall vorbei und das wäre so etwa WW VI.
Bis vor etwa 20 Jahren galt das noch als unmöglich aber zwischenzeitlich, obwohl verboten, wird das ziemlich regelmässig befahren. Bei einer fixen Skala, die nicht weiter wie WW VI geht, bedeutet das, dass auch die tieferen Level schwieriger werden müssen.

Kajak auf WW VI auf dem Doubs